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Konfliktmoderation Osterath über Konverter

400 Osterather Bürger zeigen Amprion die „rote Karte“

Drei Stunden dauerte die erste öffentliche Begegnung des Netzbetreibers Amprion mit Bürgern aus dem Meerbuscher Stadtteil Osterath. Zu Beginn gab es den Verdacht parteiischer Moderation, den Abschluss bildete Applaus. Dazwischen lagen Informationen von Amprion, zahlreiche Fragen und Antworten und ein Ausblick auf eine Suche nach Alternativstandorten in den nächsten Monaten.

Am 1. Juli versammelten sich ca. 400 Bürger in der Aula der Realschule im Meerbuscher Stadtteil Osterath. Seit mehreren Monaten sind viele Bürger des Stadtteils in Aufruhr: Amprion hatte angekündigt, am „Netzverknüpfungspunkt Osterath“ einen Konverter zu bauen. Dabei handelt es sich um eine Anlage mit einer Ausdehnung von ca. 100.000 m2, die 380 kV Wechselstrom in Hochspannungsgleichstrom von 400 kV transformiert. Der Gleichstrom wird dann auf einer neuen HGÜ-Leitung, einer Stromautobahn ohne weitere Abfahrten auf die Reise nach Süden geschickt. Dabei handelt es sich um ein Kernstück des Netzausbaus im Rahmen der Energiewende.

Die Osterather hatten eher zufällig davon erfahren, dass dafür ein Standort in der Nähe des bestehenden Umspannwerkes in Frage kommt. Das ist ein Grund für ihren Ärger. Amprion erklärte sich erst im Frühjahr im Rat der Stadt – und entschuldigte sich für die schlechte Information. Wegen der damals laufenden Gesetzgebung (für ein Bundesbedarfsgesetz zum Netzausbau) waren auch danach keine verbindlichen Schritte möglich, das Genehmigungsverfahren wurde nicht begonnen.

Der zweite Grund besteht in der für Laien nicht einfach zu verstehenden Bundesnetzplanung. Die federführende Bundesnetzagentur lud hier zur Konsultation über den Netzausbau ein. Nicht jedem war klar, dass damit auch zumindest Vorentscheidungen über Leitungskorridore und über Standorträume von Nebenanlagen – wie dem Konverter – getroffen werden.

Nun also kam es zur ersten Begegnung zwischen Bürgern und Netzbetreibern. Dabei war der Anlass nicht die Planung eines Konverters, sondern der davon unabhängige Ausbau der Umspannanlage, für den ein Genehmigungsantrag gestellt wird. Doch natürlich kann man in Osterath das Eine nicht vom Anderen trennen.

Die Atmosphäre im gut gefüllten Raum knisterte, der Ärger war deutlich spürbar. Für uns eine typische Konfliktmoderation in einer eskalierten Situation. Keine leichte Aufgabe für die Moderation. Unsere Hauptziel: Fragen der Bürger von Amprion beantworten zu lassen und dafür eine halbwegs sachliche Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Um das zu erreichen, haben wir das Programm nicht nur mit unserem Auftraggeber Amprion entwickelt. In Vorgesprächen mit der Stadt Meerbusch und der örtlichen Bürgerinitiative war beiden ein Platz für ihre Sichtweise eingeräumt worden.

Die mehrstündige, überwiegend emotionale Diskussion drehte sich um verlässliche Information, um die Zumutbarkeit eines Konverters. Argumente kreisten um den Entzug von Landschaft, mögliche Wertverluste und Gesundheitsrisiken sowie um den Bedarf für die Stromautobahn. Immer wieder machten Äußerungen der Bürger deutlich, wie tief das Misstrauen der Bürger gegenüber dem Netzbetreiber Amprion sitzt. Die Vorwürfe: arrogantes Auftreten, schlechte Informationspolitik und Ignoranz gegenüber der Bürgermeinung. Mehrfach zeigten 400 Arme dem Netzbetreiber große rote Karten.

Bis zu einem vertrauensvollen Miteinander ist noch viel zu tun. Dennoch war die Veranstaltung auch aus unserer Sicht ein erster Schritt zur Rückgewinnung von Vertrauen. Denn Amprion hat eine Standortsuche angekündigt, bei der die Kommunen einbezogen werden sollen. Nächste Schritte müssen folgen. Vor allem eine transparente, nachvollziehbare Suche und Bewertung von Alternativstandorten.

Immerhin endete die Veranstaltung mit einem Applaus für die Moderation. Kommentar in der WZ: „Es war klug, Frank Claus als Moderator einzusetzen. Claus ließ selbst entgleisende Entrüstung und Wut zu, setzte sich souverän, aber zurückhaltend durch und pochte im Namen der Zuhörer auf die Beantwortung aller Fragen. So ging der gute Stil nicht vollends verloren.“

Unser Veranstaltungspräsentation finden Sie hier, die Dokumentation der Veranstaltung hier.

Ansprechpartner ist Dr. Frank Claus