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IKU-Dialog stellt Stakeholder-Kooperationen auf den Prüfstand

Wenn Profit-Unternehmen mit Nicht-Regierungsorganisationen kooperieren, stellen Außenstehende immer wieder die Frage: „Greenwashing oder Nachhaltigkeitsnutzen?“. Es ist unbestritten, dass Aktivitäten zur nachhaltigen Entwicklung und Corporate Responsibility vielfältige Ansatzpunkte für Kooperationen bieten. Wenn also zusammengearbeitet wird, worauf müssen die Beteiligten achten? Wo liegen Grenzen? Antworten gaben 20 Vertreter von Unternehmen und Nicht-Regierungsorganisationen beim IKU-Dialog „Profit meets Non-Profit“ am 9. November 2010. Im Mittelpunkt standen die Themen „Kooperationsmodelle und –regeln“ sowie „Finanzierung und Transparenz“.

(Un)Glaubwürdigkeit, (Un)Abhängigkeit und Erfolgsbilanzierung – das sind Parameter, mit denen Unternehmen und Nicht-Regierungsorganisationen die Grenze zwischen Greenwashing und Nachhaltigkeitsnutzen bestimmen. Doch was heißt das konkret?

Was ist für eine erfolgreiche Kooperation nötig?

Jede Kooperation braucht eine gemeinsame Win-Win-Strategie. Wer stattdessen den eigenen Nutzen in den Mittelpunkt stellt, geht ein hohes Risiko des Scheiterns ein. Folglich gehört eine kontinuierliche Reflexion der gemeinsamen Interessen zu jeder Kooperation. Mut und Transparenz werden belohnt: Rollen und Zwänge der Partner lassen sich verstehen lernen, Grenzen der Zusammenarbeit (an)erkennen und gemeinsame Interessen umsetzen.

Eine wichtige Basis legt die persönliche Komponente. Dabei geht es nicht um Freundschaften, denn beide Seiten verfolgen ihre Geschäftsinteressen. Und zu Geschäftsbeziehungen gehören Regeln: Respekt haben statt alte Feindbilder bedienen. Professionelle Distanz bewahren, statt Kumpanei aufbauen.

Und der Inhalt? Kooperationen sind im Kerngeschäft der Unternehmen zu verankern, statt sie als Add-On-Projekt für das Marketing zu missbrauchen. Nur so lassen sich Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsprozesse der Unternehmen nachhaltig verändern. Nötig ist daher die Verankerung in den Fachabteilungen.

Wie kann sich die Zivilgesellschaft vor Käuflichkeit schützen?

Je transparenter, desto besser. Dies betrifft Regeln der Zusammenarbeit, die Finanzierung und gemeinsam gegründete Organisationen. Zudem stellen Kooperationen Anforderungen an Nicht-Regierungsorganisationen und ihr bisheriges Selbstverständnis. Wer den Mittelfluss vom Unternehmen zum Verein nicht offenlegt, riskiert das höchste Gut der Nichtregierungsorganisationen: ihre Glaubwürdigkeit.

Ein Ansatz ist die Weiterentwicklung der eigenen Organisation. Beispielsweise durch die institutionelle Trennung des Kerngeschäfts „watch-dog“ vom neuen Geschäftsmodell „Beratung von Profit-Unternehmen“. Auch lassen sich durch eine zwischengeschaltete Instanz, zum Beispiel eine Stiftung, Abhängigkeiten vermeiden.

Verhaltenskodizes oder Richtlinien für die Zusammenarbeit und Finanzierung durch Dritte schaffen weitere Transparenz nach außen und Orientierung nach innen: Wo liegen die Grenzen der Finanzierung durch Unternehmen? Wie wird die eigene Unabhängigkeit gesichert? Ab wann fangen Abhängigkeiten an? Wann ist eine Kooperation oder Spende abzulehnen? Beispiel gebende Ansätze bieten Transparency Deutschland oder Greenpeace.

Ansprechpartner sind Dr. Frank Claus und Jürgen Anton